Donnerstag, 18. September 2014

Aus dem Leben eines Bloggers

Hallo meine Lieben,

als Blogger/in erhält man so einige Emails. Es handelt sich meist um Pressemitteilungen, Buchvorstellungen, Anfragen von Firmen oder Agenturen usw.

Von einer momentanen Email muss ich Euch berichten, da ich wirklich dauerhaft darüber nachdenken könnte... stundenlang... muss aus meinem Kopf raus!
Auf der einen Seite (von der Firma her) finde ich es in gewissen Zügen genial - Thema: wie mache ich aus Müll Gold. Auf der anderen Seite (von Bloggern bzw. Euch, den Bloglesern) finde ich es eine so große Frechheit, dass es fast nicht größer geht.

Vorne weg möchte ich noch betonen, dass ich keinen Blogger verurteile, der da mitmacht... Ihr habt Kreativität und Leidenschaft zum Kochen! Ich an meiner Stelle kann da aber leider nicht mitmachen!



Es handelt sich hierbei um eines dieser Unternehmen, die portionierte Zutaten und Kochanleitungen "frisch" durch die Republik schicken, damit der Verbrauer nicht mehr in den Supermarkt gehen muss, sondern nur zur Post. Einen Artikel zu diesem Thema findet Ihr hier(zum gleichen Unternehmen).

Besagte Firma hat eine "ganz tolle" Aktion namens #Antifoodwastechallenge ins Leben gerufen. Kurz erklärt: Blogger erhalten übrig gebliebene Lebensmittel dieses Unternehmen und müssen daraus in einer "Challenge" etwas auf den Teller zaubern und im Anschluss einen weiteren Blogger empfehlen, der dann dran ist.

Ole! Ich wurde nominiert! (Dass ich von einer lieben Person nominiert wurde, finde ich nett und wirklich süß!) Aber leider habe ich große Probleme mit dem Inhaltlichen.

In der Email heißt es ungefähr soviel (Zitieren darf ich an dieser Stelle nicht): Wir legen viel Wert auf Nachhaltigkeit. Es soll auf globale Lebensmittelverschwendung hingewiesen werden, da so und soviele Tonnen Lebensmittel in den Müll wandern. Man soll aus den Überraschungszutaten ein leckeres Gericht kreieren. Den Menschen soll so gezeigt werden, dass Lebensmittel, die noch so rumliegen, auch lecker verarbeitet werden können. 


Hört sich beim ersten Mal lesen total nett an, oder? Wenn man drüber nachdenkt...

1. Was ist denn daran bitte nachhaltig, wenn man Pakete voller Lebensmittel (aus aller Herren Länder) quer durch die Republik schickt? Im Kühl-Kurier-LKW! Das Wort "nachhaltig" ist gerade hipp und in aller Munde. Kann man ja mal auf den Trend aufspringen! Frage: Gibt es an Eurem Firmensitz keine Lebensmittel-Tafel, denen Ihr Eure übriggebliebenen Sachen spenden könntet? Das wäre nachhaltiger und SOZIAL! 

>> Nachtrag: Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich mit meiner Annahme eines KühlLKWs falsch lag. Hiermit berichtige ich die Annahme mit dem KÜHLwagen. Die Lebensmittel werden mit einem normalen LKW gefahren und als Verpackungsmaterial wird unter anderem Schafwolle verwendet. ->  Allerdings das Hin- und Herfahren bleibt trotzdem noch über! Beamen gibt es leider noch nicht. <<

--> Gute Idee! Gibt den ersten Daumen für einen klugen PR-Schachzug!


2. Weiter heißt es in der Email (auch an dieser Stelle darf ich nicht zitieren): 

Ablauf: Erst bekommt man ein Päckchen mit unbekannten Lebensmitteln zugeschickt. Als nächstes kocht man etwas daraus, verfasst ein Rezept und berichtet auf dem Blog und auf allen Social Media Kanälen und dann erhält man einen Badge, der einen als AntiFoodWaste Botschafter auszeichnet und den man dauerhauft auf dem Blog verankern soll. 

Übrigens... wenn die Challenge das Wort "Waste" enthält, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei auch wirklich um "Waste" (sprich Müll/verschwendetes Lebensmittelmaterial) dieser Firma handelt... alles andere würde ja das Ziel komplett verfehlen!

--> Gute Idee! Super Idee! Gibt den zweiten Daumen für einen klugen PR-Schachzug! Aus MÜLL günstigen Content, günstige PR und günstige Verlinkungen machen! In meinem Kopf macht es nur "katsching, katsching, katsching" Eine Verlinkung bei einem kleinen Blog hat z.B. mindestens einen Gegenwert von 80 Euro! Rechnet Euch das mal aus!

Wow! Ich (als Bloggerin) bin total begeistert! Ich werde AntiFoodWaste-Botschafter? Wow! Ich habe einen dauerhaften Badge auf meinem Blog, dafür dass ich von einer Firma Müll verarbeitet habe? Danke! Das ist aber wirklich freundlich von Euch! 

>> Nachtrag: ein Badge (sprich ein Bild mit Verlinkung, dass der Leser bei jedem (!) Post sehen kann) kostet anfänglich so etwa 5 Cent pro Klick und der Wert steigt mit der Bekanntheit des Blogs exponential in die Höhe. <<

3. den dritten Daumen verleihe ich, weil so die Mülltonnen und Abfuhrkosten der Firma XXX deutlich minimiert werden können. Echt praktisch! Ist natürlich auch nur eine vermutete Schlussfolgerung von mir. Kein Wissen! 

Übrigens... die ersten Blogger, die diese Einladung zur Challenge erhalten haben, wurden gebeten auch noch eine Spende abzugeben (war da nicht erst vor ein paar Wochen etwas mit Eiswasserkübeln und Spenden???). Danke, dass Ihr mich mit diesem Satz verschont habt! Spenden dafür, dass ich anderer Leute Müll verarbeite!


Herzlichen Glückwunsch für Eure tolle PR-Idee!  Sie beeindruckt mich wirklich nachhaltig!



PS - kleine Anmerkung am Rande: Herzlichen Dank, dass Ihr keinen einzigen Blick auf meinen Blog geworfen habt. Da hättet Ihr sofort - beim allerersten Blick gesehen - wie mein Vorname lautet! Man fühlt sich wirklich von Vornherein sehr wertgeschätzt, wenn man mit einem Teil des Nachnamens (Hallo Behr!) angesprochen wird! (Blöde Doppelnamen!!!) 

PPS: Ich habe bei keinem einzigen meiner Posts bisher Geld verlangt, wurde bei keinem bezahlt usw. und habe auch nicht vor damit Reichtum anzuhäufen. Ich weiß aber, dass gewisse Dinge einen gewissen Wert haben. 
Wer freundlich und plausibel anklopft, ist herzlich willkommen. Ich würde mir aber wünschen, dass man mich ernst nimmt und nicht durch die Hintertür Leistungen eintreibt, die man andernorts teuer kaufen müsste! 

Gut, dass jede/r selbst entscheidet, was er/sie tut oder lässt - sprich was er/sie auf den eigenen Blog stellt! In dem Fall: nein, danke! --> Rundablage P

Kommentare:

  1. Hallo Sonja :-) Ich muss jetzt einfach kommentieren :-) Der Umgang mit den Bloggern ist z.T. schrecklich. Wir bekommen auch ständig Anfragen und können nur den Kopf schütteln. Halten diese Firmen alle Blogger für doof? Ich finde es gut, dass Du dies hier geschrieben hast. Daumen hoch :-) Liebe Grüße Bärbel

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    1. Hallo Bärbel. Ich muss sagen, das mit dem Namen ärgert mich gar nicht sooo sehr. Das kann auch mal passieren in der Hektik. Ja, das ist wahr. Diese "Anfrage" oder wie immer man das bezeichnen will, ist bei Weitem kein Einzelfall. Doch gibt es auch soviele tolle Erlebnisse als Blogger, die das meiste davon aufwiegen bzw. sogar übertreffen!

      LG, Sonja

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  2. Boah, das ist dreist. Das mit dem Namen find ich allerdings noch am übelsten und so etwas ärgert mich auch immer sehr. Mich hat einmal ein fleischverarbeitender Betrieb angeschrieben, obwohl ich nur vegetarische Rezepte (viele auch vegan) verblogge... Da frag ich mich echt, was das soll.

    Liebe Grüße
    Nadja

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    1. Hallo Nadja.

      Das ist auch gut... lach! Hast du ihnen dann ein vegetarisches Kochbuch geschenkt?

      LG, Sonja

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  3. Ich hab diese tolle Email auch bekommen...

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  4. Ich hab auch schon die eine oder andere Anfrage bekommen, die reichlich unprofessionell daher kam. Und mich geärgert. Ein kurzer Blick ins Impressum eines Blogs würde ja zumindest dabei helfen, eine korrekte Ansprache zu finden. Ich glaube, viele Firmen sind völlig überfordert mit dem Thema Blogger...
    Liebe Grüße,
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,

      dann stellt sich nur die Frage... warum holt man sich nicht einfach einen Blogger, der das schon ein paar Jährchen macht und interviewt den mal ordentlich, was man als Firma so Gelungenes auf die Beine stellen könnte? Blogger sind doch bekanntlich recht kommunikative Menschen!

      LG, Sonja

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  5. Wirklich dreist! Mir fehlen die Worte
    Liebe Grüße
    Kebo

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  6. Toller Artikel!
    Man könnte ja fast ein Blogevent mit positiven und negativen Erfahrungen machen. Vielleicht erreicht es ja auch Aufmerksamkeit :-)
    LG, Björn

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  7. Nach so langer Zeit des Bloggens mache ich mir nicht mehr die Mühe, auf solche Mails zu Antworten, geschweige denn solche Blogartikel zu schreiben. Deiner spricht mir aus der Seele, aber wie du schon schreibst, die meisten Agenturen lesen weder Blogs, noch das dazugehörige Impressum. Vielleicht hast du da mehr Glück.

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