Sonntag, 10. Dezember 2017

Schinkennudeln auf Italienisch - Pasta con prosciutto crudo



Das heutige Gericht haben wir im September im Friaul in einem italienischen Landgasthof entdeckt und seitdem nicht mehr vergessen: Pasta con prosciutto crudo: Sie ist saftig, cremig und verzaubert. Euch hoffentlich auch so wie uns!!!

 Pasta mit San Daniele - Schinken

Irgendwo in irgendeinem Dorf im Friaul

Unter „Landgasthof“ stellt man sich in Bayern so ein typisch uriges und einfach eingerichtetes Lokal irgendwo in einem kleinen Dorf mit Stammtischbrüdern, einfachen Gerichten, die allen Einheimischen schmecken, und Verzicht auf Chick, oder?

Genauso eine Lokalität haben wir im Sommer in Italien besucht – auf Anraten eines Freundes, weil natürlich der Chef der Freund vom Freund ist. ;) Versteht sich, oder? Namen des Ortes und Name des Lokales… öööööhm…. Wissen wir gar nicht mehr. Irgendwo zwischen Triest und Udine. Genau da… dazwischen… 

Jedenfalls trifft die bayrische Version vom Landgasthof auch hier zu – nur eben auf Italienisch. Statt Bier liegt das Augenmerk auf Wein, statt Brezen stehen Grisini und Ciabatta auf den Tischen, es sind nur Einheimische im Lokal, die Einrichtung ist einfach – irgendwo mittendrinnen in Italien.
Und der Clou: es gibt keine Speisekarte. DAS gäbe es in Deutschland so nicht, oder? Bei uns muss alles schön gekennzeichnet und ausgewiesen sein. Geduldig lauschten wir den langen Aufzählungen der Donna des Hauses, was es so als mögliche Menüvarianten geben würde. Als Nicht-Italienisch-Sprecher ist man verloren… wir stehen eigentlich in jedem Land eher auf Lokalitäten, in denen „normale“ Einheimische verkehren. So Empfehlungen aus Reiseführern besuchen wir selten.

Insgesamt haben wir gewählt:
Sonja: Vorspeise: Parmigiana (haben wir hier auch schon mal verbloggt), Pasta: selbst gemachte, frische Tagliolini mit San Daniele-Schinken, Hauptgang: Tagliata (gebratenes Rindfleisch) mit Paprikagemüse

Clauco: Vorspeise: Polenta mit Butter, Mohn und Bröseln, Pasta: Tagliolini mit Entenhackfleisch, Hauptgang: auch ne Tagliata

Dazu ordentlich vom hauseigenen Wein, etliche Liter Wasser und zum Abschluss ein hauseigener Schnaps – nein zwei - mit Keksen, die die Nonna (die Oma) selber gebacken hat und die wir natürlich unbedingt probieren mussten. Gezahlt haben wir 50 Euro. 


Vom Menü sind uns zwei Dinge in Erinnerung geblieben: a) die Liebe zur Polenta, die typisch fürs Friaul ist und richtig fein war und als Hauptdarsteller auf den Teller kam und b) die Nudeln mit rohem Schinken. Da der San Daniele-Schinken aus dem Friaul kommt, war natürlich klar, dass dafür San Daniele-Schinken verwendet wurde. Die Pasta war frisch zubereitet im Familienbetrieb. Sogar die kleine Tochter der Donna versuchte mit strahlenden Augen Gäste zu bedienen – auch wenn dabei nicht nur ein Glas zu Bruch ging. 

Schinkennudeln ist so ein fades deutsches Alltagsessen… schon beim Aussprechen schläft man geschmacklich ein. Manche fahren darauf ja total ab. Wir eigentlich nicht. Die meisten machen wohl gekochten Schinken und Ei mit rein, weil man das halt so meist Zuhause hat. 

In dieser heutigen Variante habt Ihr die Deluxe-Version dessen gefunden: Schinkennudeln auf Italienisch quasi. Das ist so fabulös und verboten lecker! Wir können davon nicht genug bekommen. Wir haben es seit September schon drei Mal selbst Zuhause nochmals zubereitet… Zügig gemacht und soooo gut!

roher Schinken aus Italien

Was ist „Prosciutto crudo“?

In der Überschrift steht „Prosciutto crudo“…
Ihr kennt sicherlich Parmaschinken und Ihr kennt bestimmt auch San Daniele-Schinken, oder? Alle Schinken, die nicht aus Parma und San Daniele kommen, die aber in der gleichen Art gemacht sind, nennt man „Prosciutto crudo“. „Prosciutto crudo“ heißt einfach nur „roher Schinken“ – im Gegensatz zum gekochten Schinken, dem „Prosciutto cotto“! Nur weil ein roher Schinken aus einem anderen Ort kommt, muss er ja nicht besser oder schlechter sein als die zwei berühmten Schinkenbrüder. ABER… der Preis ist deutlich geringer. Den Namen zahlt man halt mit. 

Noch ein kleiner Einkaufstipp: Solltet Ihr mal in Italien sein, lasst Euch im Supermercato Prosciutto crudo, Salami napoli/milano und Mortadella in ein paar Portionen (wir nehmen immer ca. 200 g) in Vakuum einschweißen. So habt Ihr lange, lange noch köstliche Mitbringsel im Kühlschrank. Das Letzte Crudo-Packerl von September haben wir für dieses Rezept heute aufgemacht und er war noch frisch und lecker wie eh und je! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die normale Supermarktware aus dem italienischen Supermarkt hier bei uns in Deutschland oftmals als extrem überteuerte Delikatessenware angeboten wird. Der Preis ist dann mindestens doppelt so hoch…

Wichtig ist, dass Ihr die Schinkenstückchen so klein wie möglich schneidet, umso kleiner umso besser. Wenn Ihr keinen italienischen, rohen Schinken bekommt, könnt Ihr auch anderen nehmen. Wie wäre es z.B. mit Schwarzwälder Schinken oder derartigem? 

Außerdem braucht Ihr guten Käse. Die spannendste Entdeckung hierbei war, dass Gruyere hervorragend passt. 

VORSICHT: Ihr müsst etwas mit dem Salzgehalt aufpassen! Wenn der Schinken und Käse schon recht salzig sind, dann würzt das Nudelkochwasser nur minimal! Lieber nachsalzen ist die Devise!!! Grundsätzlich braucht Ihr eigentlich kein extra Salz in die Soße geben.
Die Tomaten könnt Ihr auch weglassen, aber wir haben festgestellt, dass sie nochmal so einen kleinen Hauch Frische verleihen. Vorsichtig, Ihr seid ziemlich schnell satt.


Rezept für Pasta con prosciutto

 Pasta con prosciutto crudo

Zutaten für ca. 4 Personen:
-          500 g Spaghetti, Tagliolini u.ä.
-          400 g Schlagsahne
-          300 g Prosciutto Crudo (z.B. Parmaschinken, San Daniele, oder wahlweise auch Schwarzwälder Schinken u.ä.)
-          20 g Butter
-          1 Knoblauchzehe, geschält und sehr klein gehackt
-          300 g frisch gehobelter Käse, z.B. Pecorino, Grana Padano, Parmesan (Gruyere schmeckt aber auch super gut dazu)
-          3 getrocknete, in Öl eingelegte Tomatenscheiben oder wahlweise 5 frische Cocktalitomaten
-          2 EL Salz fürs Kochwasser
-          1 Prise Pfeffer
-          1 EL Petersilie gehackt



Zubereitung:
1.       Alle Zutaten sehr, sehr fein schneiden
2.       Wasser währenddessen zum Kochen bringen, Salz ins Kochwasser geben
3.       Pasta kurz vor al dente (bissfest) kochen, absieben
4.       Im gleichen Topf die Butter schmelzen und auf hoher Temperatur Schinken, getrocknete Tomatenwürfel und Knoblauch anbraten (der Schinken sollte angebraten, aber nicht zu knusprig hart sein)
5.       Sahne hinzufügen, außerdem die Petersilie und Pfeffer
6.       Alles kurz aufkochen lassen, Temperatur reduzieren und die Pasta hineingeben und untermengen
7.       Kurz ziehen lassen, dass die Nudeln richtig al dente sind, dann sofort servieren und genießen

Buon appetito! Lasst es Euch gut schmecken!!!



1 Kommentar:

  1. Boah, richtig lecker!
    Ich war dieses Jahr auch in Italien auf einem Bauernhof, die so viel leckeres Essen selbst gemacht haben.
    Das war auch so gut!
    Deine Variante der Schinken-Nudeln mache ich bestimmt einmal nach. Sehr fein.

    Liebe Grüße
    Antonia

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