Freitag, 5. September 2014

Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel

Es tut mir leid. Eigentlich wollte ich diesen Foodblog lecker, aufmunternd und unkritisch lassen. Aber dieser eine Apfel bringt mich zum Explodieren, wenn ich nicht über ihn spreche/tippe. Darüber kann ich heute nicht im Stillen nachdenken. Und wenn ich meine Gedanken für mich behalte, platze ich!!!!!!

Neeeeein, Apfel! Spring nicht von der Brücke!

Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel...


Apfel for President?

haha, denkste.... vorgestern habe ich etwas erlebt, was mich nachträglich und lang anhaltend ziemlich schockiert.

Da saß ich in netter Runde mit lieben Menschen in einem Hotelrestaurant zusammen. Und zum Dessert suchte sich eine Person einen Apfel vom Buffett aus.

Ein wunderschön roter Apfel mit perfekten Proportionen und perfektem Teint, Schimmer und generellem Aussehen. Ein Apfel wie er im Apfelbuche gemalt sein müsste. Apfelbäckchen, perfekt gemusterter Apfelteint ohne jegliche Schrammen oder Schlieren, ein leichter Schimmer von Glanz und Ruhm eines perfekten Apfels strahlte er aus

-->Apfel, wem Apfel gebührt! Ein wunderschöner Apfel einfach! Apfel! Apfel! Apfel! Einfach zum Reinbeißen!

Die apfelessende Person schälte die eine Hälfte und biss zwei Mal genüsslich in das geschälte Apfelfleisch. Danach erlebten wir einen nicht zu erwartenden allergischen Schock vom Feinsten. (Wohl gemerkt, erleidet diese Person solche nur, wenn Lebensmittel hochgradig(!) mit Konservierungsstoffen/Chemikalien geimpft sind und die Person hat in keinster Weise eine Apfelallergie.)

Als wir den Apfel dann genauer inspizierten, blieb außer dieser wunderschönen Optik nichts übrig. NICHTS! Es war kein Apfel mehr!
Der Geruch - beim genauen Hinriechen - erinnerte an irgendwas zwischen neuen Klamotten, die zuviel Nein-Wir-Wollen-Keine-Motten-Und-Co-An-Unseren-Tollen-Weitgereisten-Kleidungsstücken-Haben-Besprühung abbekommen haben, und an eine Autowaschstraße. Nach Apfel roch da gar nichts.

Am traurigsten machte mich an diesem Tag dann die bedauernde Aussage des Kellners als wir ihm den Vorfall schilderten: "... ja, ein Apfel heute ist halt kein Apfel mehr von früher". 

Bumm!  

Diese Aussage macht mich im Nachhinein wütend. Traurig! Schockiert mich! Trauer! Ich kann Euch nicht beschreiben wie sehr! Es geht nicht um den Kellner. Nein, er hat ja recht, aber was soll das? Welche Erwartungen habt Ihr denn an einen lapidaren APFEL? Das ist doch kein äußerst schwieriges, in feinster Kleinarbeit herzustellendes Produkt, oder? Das ist ein Apfel, der einfach so seit Adam und Eva an einem Baum wächst, gepflückt wird oder von selbst hinunterplumpst. Punkt.

Beim Frühstück - da lagen seine Apfelgeschwister zum Verzehr bereit - stellte sich heraus, dass es einer dieser weitgereisten Äpfel war. In diesem Falle war das Ursprungsland Neuseeland. (Oh, da würde ich auch gerne mal hinreißen! So schön weit, einmal um den Globus!) Wieviel Obst und Gemüse sehe ich in den letzten Monaten aus Südafrika, China, Chile, aus dem Senegal, aus dem Nirgendwo und von dort, wo der Pfeffer wächst?

ein Apfel unterwegs
Ein Apfel unterwegs in Berlin

Welche Erwartungen haben wir alle denn an einen stinknormalen Apfel? Ich dachte, ein Apfel sei ein elementares LEBENS(schützendes/aufrechterhaltendes)MITTEL?!? Welchen Auftrag hat denn ein Apfel?

Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel...


Welchen Auftrag hat denn ein Apfel? Nahrungsgrundlage für einen Menschen (oder auch ein anderes Lebewesen)?
Möchte ich mir einen Apfel etwa für eine Woche lang lieber ins Regal stellen als in die Küche? Wie eine Blume in die Blumenvase? Möchtet Ihr vielleicht eine Woche lang (oh, sorry, diese Art von Apfel würde sich sicherlich monatelang halten) einen wunderschönen Obstkorb auf dem Sideboard stehen haben? Oder wollt Ihr lieber in einen Apfel spontan hineinbeißen? Herzhaft in einen Apfel beißen, sodass es spritzt und kracht?...und wissen, dass Ihr etwas Gutes für Eure Vitaminbilanz getan habt?

Der Apfel steht an dieser Stelle ja nun für vielerlei "Lebensmittel", die einem heutzutage so über den Weg laufen.

Warum tun wir uns das an? Ich möchte beim Einkaufen doch MITTEL erhalten, dass das LEBEN gelingt und nicht, dass ich vergiftet werde. Entschuldigung!

In der letzten Woche war ich bei unserem Gemüse/Obsthändler. Da gab es schon soooooo viele Bodenseeäpfel zu kaufen. Günstiger sogar wie die weitgereisten.
Sorry, weitergereisten (von hier bis zum Bodensee sinds auch viereinhalb Stunden)! Regionalität wird gerade so schön von Marketingabteilungen als besonderes Prädikat entwickelt und entdeckt. So, dass ich wieder schön mehr Geld hinlegen darf, wenn ich einen einheimischen Apfel im Supermarkt erstehen möchte? 

H... H.... H.... *FlüchewurdenandieserStelleentfernt* wenn ich einen Chemiecocktail möchte, gehe ich doch eigentlich zum Apotheker, zum Arzt oder wahlweise zum Dealer. Aber bitte, doch nicht in die Gemüse- und Obstabteilung?!?

Warum lassen wir uns optisch so verarschen? (sorry, für dieses Wort)

Warum darf ein Apfel kein Apfel mehr sein, sondern muss ein optisch-perfektes Kunstwerk sein?

Warum sind Geschmack und Gehalt so beschissen unwichtig worden?

Warum interessiert es uns soviel mehr, DASS wir einen Apfel (zu jeder Jahreszeit und immer) haben als das WAS für einen Apfel (im Herbst/Winter)? 

Warum werde ich immer mehr gezwungen mich erst ausführlichst mit Inhaltsstofflisten, Chemikalien und den Herkunftsgegebenheiten zu beschäftigen bevor ich ein simples Lebensmittel im Supermarkt in den Einkaufswagen geben darf? Vertrauen ist im Supermarkt der absolut falscheste Begleiter geworden! Schade!

Auch beim Tag der offenen Tür im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft(30.8.14) war "Apfel" ein Thema ...auf dem gelben Flyer links heißt es: fünf (Mal am Tag) gewinnt! ---> etwa fünf Chemie-Äpfel am Tag?  
Was ist mit der Welt passiert, dass ich nicht einfach zu meinem Lebenmitteldienstleister gehen kann - ohne mich auf die Inhaltsstofflauer zuliegen - und einfach nur einen gehaltvollen, glücklichen, einzigartigen Apfel kaufen kann? Einen einfachen Apfel!

Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel!!!! Das kann doch nicht so schwer sein!

Ein Apfel ist ein Apfel... 

Nein! Gott ist tot und der Apfel ebenso! So oder ähnlich!
 

Schließen möchte ich mit einem Spruch, den jeder sicherlich kennt:

apple

Hast zwei Äpfel du im Haus, muss der Doktor zur Tür hinaus!

Viel Freude beim nächsten Biss in einen Apfel!

(Dies ist keine argumentativ perfekte, polemisch-populistische Schrift, die irgendjemand ankreiden soll. Es sind einfach nur meine niedergeschriebenen Gedanken über das Apfelerlebnis und die Lebensmittelwelt dieser Tage! Musste mir mal kurz etwas Luft verschaffen! )




Kommentare:

  1. Was für ein genialer Post! Ich habe gestern erst eine Kiste Äpfel vom Garten meiner Oma in Empfang genommen. Bei weitem keine Top-Models, was Form und Farbe angeht aber der Geschmack ist einfach unvergleichlich! So richtig schön säuerlich mit einer leichten Himbeer-Note im Abang! So schmeckt der Herbst! Ich habe dich übrigens zum Lieblings-Blog nominiert und würde mich freuen, wenn du mitmachst! Vlg Kiki http://cinnamonandcoriander.blogspot.de/2014/09/pfirsich-ingwer-sangria-liebster-blog.html

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  2. Toller Beitrag! Ich weiß schon, wieso ich am liebsten Äpfel direkt hier beim Apfelhof kaufe. Aber auch im Supermarkt achte ich aus die Herkunft. Von so einer Chemiekeule bin ich bisher zum Glück verschont worden. Aber mir ist es nicht wichtig, dass ein Apfel optisch perfekt ist. Denn was bringt mir ein Apfel, der nicht nach Apfel schmeckt? Ich freue mich gleich auf meine Äpfel aus der Region und den daraus resultierenden Apfelkuchen

    Liebe Grüße
    Rike

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  3. Liebe Sonja,

    ja mit Äpfeln ist das so eine Sache, wusstest du, dass man einen Apfel bis zu 6 Monaten lagern kann und ihn immer noch als "frischen" Apfel im Supermarkt vekraufen darf. Echt erschreckend. Deshalb sammel ich die Äpfel dann eben doch lieber am Wegesrand frisch vom Baum.

    Liebe Grüße aus Färdd, Tina

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