Dienstag, 8. November 2016

Bewusster Einkaufen im Supermarkt - 8 Tipps


oder der Spießroutenlauf durch den Supermarkt

Dieser Artikel soll sich um das Thema „bewusster Einkaufen“ drehen.  Es soll dabei weniger um ein gesünderes Einkaufen gehen, sondern vielmehr um… ja… um was eigentlich?  


Tipps für besseres Einkaufen

Schlechtes Gewissen beim Einkaufen?

Vielleicht kennt Ihr dieses Gefühl: Ihr steht im Supermarkt und irgendwie schwirren Euch tausend Gedanken durch den Kopf: „Ich habe mal gehört, dass…“ „Außerdem sollte man … nicht mehr kaufen“ „eigentlich wollte ich ja bewusster einkaufen“ 


Ihr bewegt Euch irgendwo zwischen
- globalem, schlechten Gewissen (hinsichtlich Natur-, Ressourcen- und Weltmenschenschutz),
- Wut auf die Profitmaximierung der Global player der Lebensmittelindustrie mit allen absurden Konsequenzen,
- schlechtem Gewissen gegenüber der eigenen Gesundheit und
- den eigenen Gelüsten und (mentalen) Bedürfnissen.
Ganz schön schwierig sich da zurecht zu finden. 


Als wir vor ein paar Wochen gefragt wurden wie wir denn das mit dem Einkaufen machen und welche Tipps wir haben, begann das große Grübeln, Beobachten des eigenen Verhaltens und Schlussfolgern. Daraus sind die nachfolgenden „Tipps“ entstanden. Vielleicht habt Ihr noch ganz andere, tolle Tipps. Dann postet diese doch einfach als Kommentar unter diesen Beitrag!





LEBENSmittelkauf braucht Vertrauen

Das Wort „Lebens-mittel“ sollte beim Einkaufen eigentlich die Hauptrolle spielen. Im Supermarkt sollte ich alles beschaffen können, um mich mit allen notwendigen „Mitteln zum Leben“ ausstatten zu können. 
Nicht jeder hat die Möglichkeit sich im heimischen Keller eine Hamster-Vorratshaltung anzulegen oder in der 1a-Qualität auf dem Bauernhof nebenan direkt vom Feld einkaufen zu können. Viele von uns, die in Großstädten leben, einer normalen Arbeit und einem „normalen“ Alltag nachgehen, müssen irgendwoher ihren Grundbedarf decken. Selbstanbau und Selbstversorgung in einem zeitgemäßen Haushalt ist kaum möglich.
Dabei übertragen wir Endverbraucher - voller Vertrauen, dass wir sichere/gute Lebensmittel im Supermarkt bereit gestellt bekommen, - diese Aufgabe an Logistiker, Großeinkäufer, Erzeuger, (Groß-)Betriebe, Firmen. 

Woher wir letztendlich die Ursprungsprodukte beziehen, ist für uns Otto Normalo selten mehr möglich nachzuvollziehen. Dies passiert vor allem durch fehlende Etikettierung oder Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten.  (Bei Eiern klappt es doch auch)
Doch durch Skandälchen und Großskandale der Lebensmittelindustrie brökelt das (Ur-)Vertrauen. Massiv! Letztendlich wird der schwarze Peter meist doch wieder an uns Kunden, denen man nur allzu gerne die Entscheidungsgewalten abgenommen hat in den letzten Jahrzehnten, zurückgeschoben. 
Ein Gang durch den Supermarkt oder Discounter oder Tante Emma-Laden (gibt’s die überhaupt noch irgendwo?) wird immer mehr zum Schlechtes-Gewissen-Spießroutenlauf.

Unsere 8 Einkaufstipps für einen „bewussten Einkauf“:


1.       Lieber Glas als Plastik-Verpackung! Lieber Glas als Dose!
Haben wir die Auswahl zwischen einem Produkt – sei es Gemüse in Konserven, Joghurt, … - nehmen wir das im Glasbehältnis. Oftmals kann man diese sogar für Einkochorgien wiederverwenden. Plastik schadet dem Körper. Unter anderem können sich Weichmacher und Co auf Getränke usw. übertragen.
-          Beispiel Mineralwasser:  Da wir kein gutes Leitungswasser haben, kaufen wir mittlerweile wieder Mineralwasser in Glasflaschen. Wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind, ärgern wir uns jedes Mal, wenn wir dann doch auf Plastikflaschen zurückgreifen müssen. Zuhause gibts aber defintiv Glasflaschen! Bei diversen Lieferservicen kann man sich die übrigens auch direkt in die Wohnung liefern lassen.
-          Beispiel Plastik beim Einkauf reduzieren: Wie wäre es mit leichten, dünnen Beutelchen für den Gemüse- und Obsteinkauf? So könntet Ihr deutlich Plastikmüll reduzieren.

2.       Lieber kleine Firmen als Großkonzerne
Die meisten Produkte im Supermarkt gehören mittlerweile zu den großen Globalplayern der Lebensmittelindustrie.  Oft steht nicht mehr das LEBENSmittel im Vordergrund und der ethisch gegebene Auftrag der Menschheit bei der Nahrungsbeschaffung zur Seite zu stehen, sondern das wirtschaftliche Wachstum – kurz Zahlen und Daten. Welche Produkte und Firmen zu wem gehören, könnt Ihr z.B. hier nachlesen. 
Haben wir die Auswahl zwischen mehreren gleichwertigen Produkten, nehmen wir das von kleineren (regionalen) Firmen.
-          Nestle, Unilever, Danone, Coca Cola, Mars… Ihr entscheidet wer an Eurem Geld verdient!
-          Beispiel der backende Doktor: Die Produkte vom Doktor sind bei uns zuletzt vom Einkaufszettel verbannt worden, da der Konzern nun Anteile an Rüstungsfirmen hat. So etwas möchten wir nicht unterstützen. Es gibt immer Alternativen.



3.       Lieber „offen“ als Einheitspackungen
Kennt Ihr die Verpackungseinheiten, vor allem in der Gemüse- und Obstabteilung? 1 kg- Plastikbehälter mit Nektarinen und nochmal Plastik rundherum, 5 eingeplastikte Bananen, 3 eingeschweißte Avocado, ein Plastikbeutel Karotten, …
Wir kaufen mittlerweile unser Gemüse und Obst so ein, dass wir es einzeln entnehmen können.  So kaufen wir auch wirklich nur das, was wir verbrauchen können und haben kaum Lebensmittelmüll. Außerdem passiert es uns kaum noch, dass etwas sofort schimmelt sobald es Zuhause aufgemacht wird.  


 


4.       Regional und saisonal – Schau dem Erzeuger ins Gesicht
Wir lieben es am Wochenmarkt einzukaufen. Es ist so schön, wenn man dem direkten Erzeuger ins Gesicht sehen kann. Dabei merkt man gleich, ob man ihm vertrauen kann oder nicht. Auch auf Märkten in den Städten werden südafrikanische Weintrauben und kenianische Bohnen verkauft. Schaut Euch die Stände an, schaut auf die ausgewiesenen Schilder und bekommt ein Gefühl für das, was Euch gut tut. Könnt Ihr dort nicht einkaufen, müsst Ihr für Euch die Entscheidung treffen – von woher dürfen meine Lebensmittel einreisen? Sind spanische, italienische, griechische Gemüse okay? Oder muss ich unbedingt Äpfel aus Chile, neuseeländische Zwiebeln kaufen? Ist das für mich okay?
Wir verzichten mittlerweile auf weitgereiste Lebensmittel – soweit es geht. Der Konsum von Bananen, Avocado, Ananas und diverse Dinge, die es nicht frisch in Europa gibt, haben wir ziemlich eingeschränkt. Auch wenn sie uns schmecken. Es gibt genug Ersatz! Wir müssen das nicht kaufen. Riecht doch zum Beispiel mal an den Unterseiten von Ananas? 4 von 5 Ananas stinken gefühlt dermaßen nach Spritzmittel… Der ständige Konsum hat seine Konsequenzen…
Und warum muss ich das ganze Jahr über Erdbeeren essen? Entweder gibt es bei uns eingefrorenes Obst oder eingekochtes, wenn nicht die jeweilige Saison ist.
Bislang haben wir gerne direkt bei einem Bauern im Hofverkauf eingekauft. Durch die regionale Presse haben wir mitbekommen, dass er Glyphosat-Befürworter ist. Danke, das Gemüse brauchen wir dann nicht mehr. Aber wir sind froh, wenn wir so etwas mitbekommen. Dann können wir reagieren.


5.       Verstehe ich alle Inhaltsstoffe in der Zutatenliste?
Du stehst im Supermarkt, greifst ein Produkt… dreh es doch mal um… verstehst du alle Inhaltsstoffe, die du in der Zutatenliste findest? Hab Interesse daran, was sich in deinem Lebensmittel befindet. Du isst es. Dein Körper verwertet es – im Guten oder im Schlechten.
Danke, dass wir den „geschätzten“ Geschmacksverstärker Glutamat nun als „Hefeextrakt“ durchs Hintertürchen doch wieder in vielen Lebensmitteln finden. Da fühlt man sich als Endverbraucher wirklich unmündig. Danke!
Alle Dinge, bei denen wir mehr als eine Zutat nicht verstehe, lassen wir liegen. Du entscheidest wieviel Chemie du zu dir nehmen willst.
Das beste Beispiel in diesem Bereich ist der Vergleich zwischen Chips „mit Geschmack“ oder gesalzenen Chips. Stellt Euch mal vors Regal. Greift Euch die eine Packung und die andere… Bei gesalzenen Chips habt Ihr – in der Regel drei Zutaten: Kartoffeln, Öl, Salz – bei Chips „mit Geschmack“ gefühlt teilweise ganze Buchseiten voller Aromen, Zusätzen und und und… Warum nicht gesalzene nehmen und einen kleinen Dip dazu servieren? Schmeckt sicherlich besser – und du weißt, was du isst.
Wusstet du, dass „natürliches Aroma“ auch bedeuten kann, dass dein Vanillegeschmack aus (Kuhfladen) gewonnen wurde oder Erdbeeraroma von Holzpilzen oder oder oder…
In diesem Bereich könnte man noch ewig weiterschreiben, hier nur einige Beispiele.



6.       Qualität vor Quantität
Kaufe lieber weniger, dafür aber richtig gute Qualität.
Ein kleines Stückchen vom besten und wohl teureren Ziegenkäse befriedigt Gaumen und Gelüste mehr als 300 g vom Billigkäse.
Unsere Beobachtung ist beim Fleisch z.B. brate ein günstiges Steak an und brate ein hochwertiges Steak an. Aus dem günstigen tritt beim Braten deutlich mehr Wasser aus, beim hochwertigen dürfte nur ganz wenig Wasser auslaufen. Von einem günstigen Discounter-Fleisch hatten wir am Ende bei  einem 400 g Ausgangsgewicht etwa 180 g übrig, beim Fleisch vom Metzger des Vertrauens etwa 340 g. Heißt im Umkehrschluss, dass wir deutlich weniger Fleisch von hoher Qualität kaufen müssen, um gut zu essen. Gefühlt ist man auch eher satt. Probiert es einfach mal aus.
Bei Brot verhält es sich ähnlich… lest doch mal die Zutatenlisten . Klappt auch wunderbar beim „Frischgebackenem“ im Discounter! Beachte dabei Tipp 5!!!



7.       Tierwohl ist Menschenwohl
Da wir uns (leider) nicht alle vegan ernähren. Sollten wir aber auf eine möglichst große Kontrolle und gute Lebensumstände der Nutztiere achten. Das hat etwas mit Ethik zu und auch damit, dass es dem Menschen auch gar nicht bekommt, wenn er ständig Wachstumshormon/Antibiotika/…-verseuchtes Tierisches zu sich nimmt.
-          Fleisch: Denkt nicht zuletzt an das Steak aus Punkt 6!!!
-          Geflügel: Wir haben mittlerweile den Verzehr von Geflügel fast gänzlich eingestellt. Früher konnten wir uns ein 15 – 20 Euro Bio-Huhn nicht leisten und so haben wir es damals einfach aus unserer Ernährung gestrichen.
-          Milchprodukte:  Probiert mal ein Glas demeter-Milch und ein Glas Billigmilch… einfach mal den Unterschied erschmecken und dem nachfühlen.
-          Eier: Hier ist es noch am Einfachsten darauf zu achten unter welchen Umständen das Legehuhn gelebt hat. Ja ja, Bio ist nicht Bio und Bio ist auch nicht immer toll(ABER: Bio ist besser als Massen-Käfighaltung – das auf jeden Fall). 



8.       Lieber Zutaten kaufen als Fertiggerichte
Es ist so schön einfach den Pizzakarton aufzureißen, die Fischstäbchenpackung oder die Mikrowellenlasagnepackung. Tja… aber herzlichen Glückwunsch! Was man da noch so alles mitisst… würg! Oft handelt es sich um Kunstprodukte talentierter Lebensmittelchemiker. 

Es gibt wenige Firmen, die hochwertige Fertiggerichte herstellen, aber der allergrößte Teil ist doch wirklich fragwürdig, oder? Und: schmeckt das wirklich? Tut das meinem Körper das gut? Besiegt meine Faulheit meinen Geschmackssinn?  


Da kommen wir auch wieder zum Punkt 5: Verstehe ich alle enthaltenen Zutaten? Wenn das zutrifft, dann ist doch nichts gegen eine „Erleichterung“ einzuwenden, aber wer einfach nur zu faul ist sich 15 – 20 Minuten mit seinen Lebensmitteln zu beschäftigen… 
Stopp! Hier ist jetzt ein Satz wie: „ich kann nicht kochen“ total fehl am Platz! Kochen ist Übungssache! Wir konnten bis vor ein paar Jahren auch nicht wirklich kochen!  
Dein Körper hat mehr von Selbstgekochtem, da freut er sich viel mehr drüber. Das große Hindernis ist oftmals das Würzen. Holt euch hochwertige Gewürzmischungen (z.B. welche aus der Entdeckerküche von Lebensbaum). Und schon schmecken die Gerichte auch bei nicht talentierten oder ungeübten Köchen – und hey, räusper… Ihr lest hier gerade auf einem Foodblog…


Und der Zeitgewinn ist ein schöner Trugschluss! 45 Minuten für ein überbackenes, dekonstruiertes Fischstäbchen aus dem Aluschälchen ist schnell?  
Du solltest es dir wert sein! Und das Beste: du weißt was drinnen ist in deinem LEBENSmittel!!! 

Auch Kochen zusammen mit Kindern (von klein auf) kann ein Bewusstsein für die eigenen Nahrung schaffen. Kinder essen ganz andere Dinge, wenn man sie sich nur ausreichend mit den Zutaten und der Zubereitung einbindet. Ja, schon klar. Klappt nicht immer und bei jedem Kind, aber aus der eigenen Erfahrung heraus sagen wir: Kocht mit Eurem Junggemüse!

Das Thema Lebensmitteleinkauf ist so umfassend. Aber an dieser Stelle machen wir mal einen Cut. 8 Tipps reichen. 


wie kaufe ich gut im Supermarkt ein?

Versuche doch mal jede Woche einen weiteren Tipp umzusetzen! Fang bei 1 an und arbeite dich bis zur 8 hoch! 

Vielleicht druckst du dir auch das Bild mit der Zusammenfassung  der Tipps aus und klebst es auf dein Einkaufszettelbüchlein! 

Wir wünschen Euch gute und bewusste Einkäufe! 

Habt keine Angst! Das ist nur am Anfang etwas umständlich… Irgendwann wisst Ihr welche Lebensmittel besser sind als andere und Eure Einkaufshandgriffe sitzen.



Quält Euch nicht und verzweifelt nicht!
Es geht nicht darum perfekt zu sein und nur „das Beste“ einzukaufen! Ihr müsst nicht die Besten sein, macht es einfach ein Bisschen besser, wenn Ihr bisher unzufrieden wart.

Wenn Ihr es schafft Euch in der einen Woche für Mehl, Hefe, Zucker, Eier zu entscheiden statt dem bisherigen Fertigmuffin! Ole! Dann darfst du stolz auf dich sein! 

Oder Ihr nehmt die 4 Orangen, die ihr in einer Woche verbrauchen könnt statt dem ganzen 2 kg-Beutel! Hurra! Gut gemacht! 

Du hast das Gewürzbeutelchen mit den seltsamen Inhaltsstoffen stehen lassen und dich für Paprikapulver, Muskatnuss und Co entschieden! Ja! Toll gemacht!



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