Dienstag, 5. April 2016

Saure Zipfel - fränkische Spezialität



Allmächt´na! Saure Zipfel! Was ist denn das? Ich wette, die Hälfte, die diese Zeilen liest, hatte im ersten Moment zweideutige Gedanken… ertappt. Aber es handelt sich hierbei wirklich um ein jugendfreies Gericht. Weder Rockzipfel noch Zipfelbob noch Zipfelmütze sind hier gefragt. 

Im Rahmen der #kochtopfreise hatte ich ja den Prime-Kochtopf von Zwilling als Gast hier. In ihm wurde jetzt quasi nicht nur ein bayrisches Gericht, sondern auch ein fränkisches zubereitet... braucht sich also kein Franke beschweren, gell ;) Das bayrische Gericht könnt Ihr hier nachlesen und auch was die Kochtopfreise eigentlich ist.

Was sind Blaue Zipfel bzw. Saure Zipfel?

Heute wird’s fränkisch… eines dieser Gerichte, deren Sinn und Geschmack nur Einheimische richtig verstehen. 

Es handelt sich hierbei um Bratwürste, die in einem Essigsud gar ziehen dürfen. Die Nürnberger Rostbratwürste werden nicht nur gegrillt. Nein nein! 

Saure Zipfel werden vor allem in Nürnberger Raum auch „Blaue Zipfel“ genannt, weil die Bratwürste beim Garen eine leichte Bläuung bekommen. Angeblich gibt’s diese Art von Gericht auch im Oberpfälzischen, dort nennt man sie wohl eher saure Bratwürste. 



Erste Begegnung mit den sauren Bratwürsten

Meine letzte Begegnung mit sauren Zipfeln war im Alter von 10 oder 11 Jahren. Es war im Lichtenfelser Raum (Oberfranken) und ich war wirklich schockiert beim Biss in diese Würstchen, die mir einfach so als Abendessen hingestellt wurden. Würstltechnisch war ich immer schon neugierig und ein wahrer Würstl-Fan, aber das war doch etwas verstörend… Der Geschmack war ungefähr der gleiche – für mich damals – wie wenn man Bratwürste in asiatischer Süßsauersoße vom gebackenen Schweinefleisch serviert hätte. Mein Gesicht verzog sich zur Grimasse und noch jahrelang durfte ich mir die Geschichte aus meiner Kindheit in etlichen Nacherzählungen (und Ausschmückungen) anhören… „damals als das Kind in süßsaure Würstl biss“… jaja… 

Aber der Gustaiolo hat sich auch erst gesträubt als ich saure Zipfel kochen wollte. Ein Würstchen hätte ich ihm mitkochen dürfen, mal zum Probieren. Er hat dann die Hälfte gegessen und war nach dem ersten Moment der Geschmacks-Desorientierung recht begeistert.

Franken – die neue Heimat
Jetzt leben wir hier in Franken und wenn man in einem Gebiet lebt, sollte man auch die lokalen Spezialitäten durchprobieren und so haben die sauren Zipfel eine neue Chance erhalten. Und es hat sich gelohnt. Jetzt mit Ü30 verstehe ich den Sinn und Geschmack.  Gibt’s in Eurer Region Gerichte, die seltsam wirken?
Perfekter Begleiter zum fränkischen Bier
Vor allem in Kombination mit einem bittrigen, süffigen, fränkischen Bier! Die perfekte Begleitung zum herben Bier! Aber abgefahren ist es trotzdem irgendwie dieses fränkische Gericht.

Hier nun das Rezept für Saure Zipfel

Zutaten für 2 Personen:
-          10 Nürnberger Bratwürste (oder zumindest dünne, rohe mit grobem Brät)
-          200 ml hochwertiger Weißweinessig
-          300 ml Weißwein (am besten natürlich ein fränkischer)
-          600 ml Rinderbrühe (für eine selbstgemachte gäbe es hier eine Anleitung)
-          3 EL Zucker
-          3 Zwiebel, geschält und in Scheiben geschnitten
-          3 Lorbeerblätter
-          1 halbe Karotte, geschält und Streifen geschnitten
-          1 TL gelbe Senfkörner
-          10 Pfefferkörner
-          3 Pimentkörner
-          7 Wacholderbeeren

Zubereitung:
1.       Zwiebel- und Karottenstreifen und Gewürze in der Flüssigkeit zum Kochen bringen
2.       20 Minuten auf mittlerer Hitze leicht lassen
3.       Temperatur auf niedrige Stufe regulieren und die Bratwürste einzeln in die Flüssigkeit geben
4.       15 Minuten ziehen lassen
5.       Servieren 

Serviert werden die sauren Zipfel normalerweise mit Zwiebelstreifen in etwas Sud und mit Brot/Breze als Beilage. Zünftig, oder?

Und wenn Euch das jetzt zu abgefahren war - wie wäre es stattdessen mit dem anderen fränkischen Klassiker, dem Schäufele (Schweinebraten) oder mit einem altbayrischen Böfflamott (Rinderbraten)?  

Prost! Mahlzeit!


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